Dienstag, 15. Juli 2014

Last Steps in China

Die letzten Tage in China neigten sich dem Ende zu und ganze 2 Trips standen noch vor mir. Den einen nach Xian, den anderen nach Beijing, bevor es dann wieder zurück nach Deutschland ging.

Chronologisch angefangen mit Xian kann ich auf sehr ereignisreiche Tage zurückblicken. Die Stadt ist nicht nur echt schön, sondern hat kulturell auch immens viel zu bieten. Das wird zudem mit touristischen Angeboten verknüpft, sodass viel unternommen kann. Beispielweise starteten wir den ersten Abend mit einer Tandemfahrradtour auf der hohen Stadtmauer von Xian. Hier konnten wir dann mit 30 Sachen unseren Weg über diese alte holprige Piste machen und gleichzeitig den Sonnenuntergang über der Stadt genießen.

Neben Xian als solchem, gibt es jedoch auch naheliegende Sehenswürdigkeiten. So zum Beispiel die Terrakotta-Armee, die als achtes Weltwunder gehandelt wird. Kleiner Exkurs, es handelt sich hierbei um tausende lebensgroße Terracotta-Figuren, die der erste chinesische Kaiser anfertigen ließ, um nicht alleine nach seinem Tod im Jenseits dazustehen. Das besondere an dieser riesigen Anlage ist der Fakt, dass das Gesicht von jedem Kämpfer anders aussieht. Es wird geschätzt, dass beim Bau etwa 700.000 Menschen im Einsatz waren und viele durch die grausamen Arbeitsbedingungen gestorben sind. Durch Zufall wurde ´74 durch chinesische Bauern die Anlage wiederentdeckt, da das Areal aus Trauer nach Tod des Kaisers sehr schnell geschlossen wurde und in Vergessenheit geriet. Trotz der jetzt schon immensen Ausmaße sagt man, dass erst ein Viertel des Ganzen entdeckt worden ist, und viele Ausgrabungen erst noch zum Kern durchstoßen werden.

Eine sehr interessante Sehenswürdigkeit also. Das Problem war jedoch wie immer, das Gedränge durch die riesen Menschenmassen.  Es könnte wirklich ein richtig besinnlicher Ort sein, aber mittlerweile ist das Gelände schon so stark auf Touristen zugeschnitten, dass man schon beim Reingehen, neben Getränken, Fastfood und Souvenirs auch Pelze, Schwerter, Hüte und so ca. alles kaufen kann, was man will. Warum sich auch nicht bei 35°C einen „echten“ Bärenpelz umlegen, während man sich alte Artefakte anschaut?

Darüber hinaus machten wir uns am Abend auf zum Mount Hua bzw. Hua Shan. Durch ungünstig verlaufende Zugfahrten kamen wir dort  erst so spät an [20 Uhr], dass uns jeder der Anwohner von einem Aufstieg abriet. Wir wussten jedoch, dass ein Pfad auch nachts geöffnet ist, und man durch diesen den Gipfel innerhalb von 7 Stunden erreichen kann. Wir wollten nicht umsonst gekommen sein, recherchierten noch ein wenig, kauften Ausrüstung und starteten einen echt unvergesslichen Aufstieg bei purer Dunkelheit mit Kopflampen, die oftmals unsere einzige Lichtquelle waren. Dass die Chinesen es in puncto Sicherheit nicht so super genau nehmen, konnte man auch an dem geöffneten Pfad erkennen. In den Berg gehauene Treppenstufen, die nur in etwa 15 cm breit waren und lediglich mit rostigen Ketten gefestigt waren, waren nach einer Stunde schon Alltag geworden und im Nachhinein betrachtet, war es wohl auch ganz gut, dass es so dunkel war. Im Hellen hätte sich der Magen wohl das ein oder andere Mal gut umgedreht, da es rechts oder links vom Pfad sehr oft ins dunkle Nichts ging. Fazit: Nach 5 aufregenden Stunden waren wir am Gipfel angekommen. Hier mieteten wir uns dann Decken, um noch ein wenig zu schlafen, bevor man von hier aus den Sonnenaufgang bewundern konnte. Da es bewölkt war, war dieser gar nicht mal so spektakulär, aber das erste Mal konnte ich diesem bescheuerten Spruch „Der Weg ist das Ziel.“ was abgewinnen ;)

Danach ging es dann wieder für die letzten Tage nach Tianjin bevor für mich die letzte große Sehenswürdigkeit in Form der Verbotenen Stadt anstand. Die wohl klassischste aller Sehenswürdigkeiten in Beijing hatte nicht zu viel versprochen. Man muss sich wirklich schon mindestens 4 Stunden Zeit nehmen um alles zügig gesehen zu haben und am Ende ist man dann wiedermal sehr beeindruckt von der chinesischen Architekturkunst. Wie jedoch auch bei der Terrakotta-Armee waren die Heerscharen an Menschen so laut und das Gedränge so stark, dass man froh war, auf den eigenen Audioguide mit Kopfhörern zurückgreifen zu können. Lediglich er  vermittelte einem zumindest so ein bisschen Ruhe und die spezielle Atmosphäre dieses Ortes. Mit Worten will ich allerdings auch gar nicht so lange darüber sinnieren, deswegen gibt es diesmal einfach deutlich mehr Bilder, die das Ganze besser beschreiben.

Seit dem Wochenende bin ich nun wieder in der Heimat und konnte mit dem Finalsieg auch hier wieder einen guten Start feiern. Goodbye China, Hello Weltmeister! :)





Unten in der Mitte ist übrigens MC Lin,
der sich die Street-Credibility in der Terracotta-Hood hart erarbeitet hat.
Fun in China
Chinesischer Kaiser für 5 Minuten? Check.
Xian at night


Dumme Ideen bei 20 kmh umsetzen? Aber ja. 


Chinesische Fritten...ein wenig gewöhnungsbedürftig :)
Erstes Foto nach anderthalb Stunden Aufstieg
Zweites Foto nach 3 Stunden auf gerade geebnetem Pfad :)
Zweites Foto nach 3 Stunden auf gerade geebnetem Pfad :)
Stirnlampe sitzt - auch nach 4 Stunden

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Auf sonem Gipfel wird man schon relativ emotional. Beweisstück A.
Der Gipfel am Morgen!



Neuen Meditationsort gefunden!


Die Verbotene Stadt. Welcome! 













Motivierende Botschaften aus öffentlichen Toiletten.
Grenzt schon an hohe Lyrik, was die Chinesen hier veranstalten. :)


Donnerstag, 26. Juni 2014

Great Wall Festival, University & World Cup

Nach dem Shanghai-Trip wurde erstmal wieder in den Ruhe-Modus gewechselt. Diverse Uniprojekte warteten und somit standen keine größeren Pläne an. Erwähnenswert sind jedoch die zu dieser Zeit unternommenen Exkursionen,  die zusätzlich zu den Vorlesungen Bestandteil unseres Programms waren.

Unter anderem haben wir einen Tag lang, im „Silicon Valley“ von Tianjin verbracht. Während ich das schreibe, muss ich aber auch schon wieder über das Wort „Silicon Valley“ ein wenig schmunzeln.  Der Distrikt, den ich meine, beinhaltet diverse neugegründete Firmen, die vom Staat oder anderen Institutionen unterstützt werden. Hierbei gab es die ein oder andere interessante Geschäftsidee, die uns vorgestellt wurde und im Allgemeinen machte das Viertel einen echt innovativen Eindruck. Allerdings muss man natürlich dazu sagen, dass wir hier von China und nicht den USA reden. Die Start-Up-Kultur steckt hier noch in den Kinderschuhen, zeigt aber jedoch erstes Potenzial gerade im Bereich Nachhaltigkeit, Serviceinnovation sowie Softwareentwicklung. Reinschnuppern durften wir zum Beispiel bei der Grafikagentur (eine der größten Firmen im Distrikt), die für Grafiken von Spielen wie Battlefield oder Diablo 3 verantwortlich waren – sehr interessant, da mal über die Schultern zu schauen.

Abgesehen, von den Exkursionen besuchten wir auch das U21-Länderspiel im Basketball der USA gegen China. Wer, genau wie ich, angenommen hat, dass die USA hier wohl kurzen Prozess mit den Chinesen machen würden, wurde sehr schnell eines Besseren belehrt. Ich habe noch nie so viel wirklich hochgewachsene Chinesen auf engstem Raum gesehen, die dann allerdings auch noch hervorragend Basketball spielen konnten. Im Endeffekt sogar so gut, dass die USA am Ende als Verlierer vom Platz ging. Hut ab – im Basketball habens die Chinesen schon drauf. Trotz allem muss ich mich noch ein wenig daran gewöhnen, dass in China die generelle Verbindung zwischen HipHop/RnB zu Basketball übernommen wurde. Asiaten zu Usher’s „Yeah“ einlaufen zu sehen, brachte mir schon noch ein Grinsen auf dem Gesicht ein.

Größtes Highlight in der letzten Zeit war jedoch das Great Wall Music Festival, das im Juni in Beijing stattfand. Glücklicherweise bekamen wir noch Karten und konnten daran teilhaben. Selten hab ich eine so skurrile Mischung aus Event und Ort gesehen. Tatsächlich hat man innerhalb der chinesischen Berge inmitten eines Teils der chinesischen Mauer ein Festivalgelände errichtet, auf dem dann Interpreten wie Afrojack, Armin van Buuren oder Paul Kalkbrenner auftraten. Nachdem uns von Beijing einer der Tourbusse (Fahrt 2 Stunden) dort hingebracht hatte, konnte ich kaum in Worte fassen, wie fasziniert ich von dieser Location war. Zum Festival selbst bleibt dann aber auch gar nicht mehr so viel zu sagen – viele Drinks, viel gute Musik und unfassbar viele verrückte Leute. Selbst die Polizisten ließen sich mit der Menge fotografieren und auch der Platzregen störte nicht, da in kürzester jeder einen dieser unfassbar modischen Ganzkörperponchos trug. Ein richtig gelungener Tag/Nacht :)

Darüber hinaus stand ja auch die Eröffnung der Fußball-WM an. Und genau das bringt hier oft mein Herz zum Bluten. Rechnet 6 Stunden auf eure Zeit auf und ihr habt meine Situation. Anstoßzeiten sind im besten Falle um 12 Uhr nachts, im schlechtesten Falle um 3, 4 oder 6 Uhr morgensachts. Das heißt also, morgens die Highlights der Vornacht schauen? FALSCH! Es heißt, gemeinsam nachts aufstehen, zu Public Viewing Plätzen fahren und in hunderte verschlafene Gesichter zu schauen. Ein WM-Erlebnis, das ich so bis dato noch nicht hatte, aber in jedem Fall Leute aus allen Herren Ländern zusammenschweißt.

Es kann jedoch auch teilweise – im Nachhinein – amüsante Geschichten hervorrufen. Beispielsweise als ich um 3 Uhr nachts das Spiel Deutschland gegen Ghana mit chinesischen Freunden in einer Bar voll mit Afrikanern geschaut habe. Ich hätte mir gut überlegen sollen als einziger Deutscher, der chinesischen Runde, die auch Deutschland anfeuerte, eine Runde der 1-L Bierkrüge [Kostenpunkt 50 Cent ;)] auszugeben.

Das Resultat waren englisch-fluchende Chinesen, die laut vernehmlich gegen die Mannschaft aus Ghana pesteten und jeden Angriff der Deutschen lautstark beschrien. Selten wurde meine diplomatische Ader so sehr unter Strapazen gesetzt wie an diesem Abend. Alles endete jedoch friedlich und da mit dem Unentschieden jeder leben konnte, wurde danach dann noch gemeinsam etwas getrunken und jeder ging seiner Wege. Ein sehr unterhaltsamer Abend ;)


Bis bald!  


















Public Viewing Tianjin
                                     


Neues "Original"-Trikot aus China - So frisch sieht man aus um 3 Uhr...
Good Morning Tianjin ;)