Nach dem Shanghai-Trip wurde erstmal wieder in den
Ruhe-Modus gewechselt. Diverse Uniprojekte warteten und somit standen keine größeren
Pläne an. Erwähnenswert sind jedoch die zu dieser Zeit unternommenen
Exkursionen, die zusätzlich zu den
Vorlesungen Bestandteil unseres Programms waren.

Unter anderem haben wir einen Tag lang, im „Silicon Valley“
von Tianjin verbracht. Während ich das schreibe, muss ich aber auch schon
wieder über das Wort „Silicon Valley“ ein wenig schmunzeln. Der Distrikt, den ich meine, beinhaltet
diverse neugegründete Firmen, die vom Staat oder anderen Institutionen unterstützt
werden. Hierbei gab es die ein oder andere interessante Geschäftsidee, die uns
vorgestellt wurde und im Allgemeinen machte das Viertel einen echt innovativen
Eindruck. Allerdings muss man natürlich dazu sagen, dass wir hier von China und
nicht den USA reden. Die Start-Up-Kultur steckt hier noch in den Kinderschuhen,
zeigt aber jedoch erstes Potenzial gerade im Bereich Nachhaltigkeit,
Serviceinnovation sowie Softwareentwicklung. Reinschnuppern durften wir zum Beispiel
bei der Grafikagentur (eine der größten Firmen im Distrikt), die für Grafiken
von Spielen wie Battlefield oder Diablo 3 verantwortlich waren – sehr interessant,
da mal über die Schultern zu schauen.
Abgesehen, von den Exkursionen besuchten wir auch das
U21-Länderspiel im Basketball der USA gegen China. Wer, genau wie ich,
angenommen hat, dass die USA hier wohl kurzen Prozess mit den Chinesen machen
würden, wurde sehr schnell eines Besseren belehrt. Ich habe noch nie so viel
wirklich hochgewachsene Chinesen auf engstem Raum gesehen, die dann allerdings
auch noch hervorragend Basketball spielen konnten. Im Endeffekt sogar so gut,
dass die USA am Ende als Verlierer vom Platz ging. Hut ab – im Basketball habens
die Chinesen schon drauf. Trotz allem muss ich mich noch ein wenig daran
gewöhnen, dass in China die generelle Verbindung zwischen HipHop/RnB zu
Basketball übernommen wurde. Asiaten zu Usher’s „Yeah“ einlaufen zu sehen,
brachte mir schon noch ein Grinsen auf dem Gesicht ein.
Größtes Highlight in der letzten Zeit war jedoch das Great
Wall Music Festival, das im Juni in Beijing stattfand. Glücklicherweise bekamen
wir noch Karten und konnten daran teilhaben. Selten hab ich eine so skurrile
Mischung aus Event und Ort gesehen. Tatsächlich hat man innerhalb der
chinesischen Berge inmitten eines Teils der chinesischen Mauer ein
Festivalgelände errichtet, auf dem dann Interpreten wie Afrojack, Armin van
Buuren oder Paul Kalkbrenner auftraten. Nachdem uns von Beijing einer der
Tourbusse (Fahrt 2 Stunden) dort hingebracht hatte, konnte ich kaum in Worte
fassen, wie fasziniert ich von dieser Location war. Zum Festival selbst bleibt
dann aber auch gar nicht mehr so viel zu sagen – viele Drinks, viel gute Musik
und unfassbar viele verrückte Leute. Selbst die Polizisten ließen sich mit der
Menge fotografieren und auch der Platzregen störte nicht, da in kürzester jeder
einen dieser unfassbar modischen Ganzkörperponchos trug. Ein richtig gelungener
Tag/Nacht :)
Darüber hinaus stand ja auch die Eröffnung der Fußball-WM
an. Und genau das bringt hier oft mein Herz zum Bluten. Rechnet 6 Stunden auf
eure Zeit auf und ihr habt meine Situation. Anstoßzeiten sind im besten Falle
um 12 Uhr nachts, im schlechtesten Falle um 3, 4 oder 6 Uhr morgensachts. Das
heißt also, morgens die Highlights der Vornacht schauen? FALSCH! Es heißt,
gemeinsam nachts aufstehen, zu Public Viewing Plätzen fahren und in hunderte
verschlafene Gesichter zu schauen. Ein WM-Erlebnis, das ich so bis dato noch
nicht hatte, aber in jedem Fall Leute aus allen Herren Ländern
zusammenschweißt.
Es kann jedoch auch teilweise – im Nachhinein – amüsante Geschichten
hervorrufen. Beispielsweise als ich um 3 Uhr nachts das Spiel Deutschland gegen
Ghana mit chinesischen Freunden in einer Bar voll mit Afrikanern geschaut habe.
Ich hätte mir gut überlegen sollen als einziger Deutscher, der chinesischen
Runde, die auch Deutschland anfeuerte, eine Runde der 1-L Bierkrüge [Kostenpunkt
50 Cent ;)] auszugeben.
Das Resultat waren englisch-fluchende Chinesen, die laut
vernehmlich gegen die Mannschaft aus Ghana pesteten und jeden Angriff der
Deutschen lautstark beschrien. Selten wurde meine diplomatische Ader so sehr
unter Strapazen gesetzt wie an diesem Abend. Alles endete jedoch friedlich und da
mit dem Unentschieden jeder leben konnte, wurde danach dann noch gemeinsam
etwas getrunken und jeder ging seiner Wege. Ein sehr unterhaltsamer Abend ;)
Bis bald!
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| Public Viewing Tianjin |


















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