Donnerstag, 26. Juni 2014

Great Wall Festival, University & World Cup

Nach dem Shanghai-Trip wurde erstmal wieder in den Ruhe-Modus gewechselt. Diverse Uniprojekte warteten und somit standen keine größeren Pläne an. Erwähnenswert sind jedoch die zu dieser Zeit unternommenen Exkursionen,  die zusätzlich zu den Vorlesungen Bestandteil unseres Programms waren.

Unter anderem haben wir einen Tag lang, im „Silicon Valley“ von Tianjin verbracht. Während ich das schreibe, muss ich aber auch schon wieder über das Wort „Silicon Valley“ ein wenig schmunzeln.  Der Distrikt, den ich meine, beinhaltet diverse neugegründete Firmen, die vom Staat oder anderen Institutionen unterstützt werden. Hierbei gab es die ein oder andere interessante Geschäftsidee, die uns vorgestellt wurde und im Allgemeinen machte das Viertel einen echt innovativen Eindruck. Allerdings muss man natürlich dazu sagen, dass wir hier von China und nicht den USA reden. Die Start-Up-Kultur steckt hier noch in den Kinderschuhen, zeigt aber jedoch erstes Potenzial gerade im Bereich Nachhaltigkeit, Serviceinnovation sowie Softwareentwicklung. Reinschnuppern durften wir zum Beispiel bei der Grafikagentur (eine der größten Firmen im Distrikt), die für Grafiken von Spielen wie Battlefield oder Diablo 3 verantwortlich waren – sehr interessant, da mal über die Schultern zu schauen.

Abgesehen, von den Exkursionen besuchten wir auch das U21-Länderspiel im Basketball der USA gegen China. Wer, genau wie ich, angenommen hat, dass die USA hier wohl kurzen Prozess mit den Chinesen machen würden, wurde sehr schnell eines Besseren belehrt. Ich habe noch nie so viel wirklich hochgewachsene Chinesen auf engstem Raum gesehen, die dann allerdings auch noch hervorragend Basketball spielen konnten. Im Endeffekt sogar so gut, dass die USA am Ende als Verlierer vom Platz ging. Hut ab – im Basketball habens die Chinesen schon drauf. Trotz allem muss ich mich noch ein wenig daran gewöhnen, dass in China die generelle Verbindung zwischen HipHop/RnB zu Basketball übernommen wurde. Asiaten zu Usher’s „Yeah“ einlaufen zu sehen, brachte mir schon noch ein Grinsen auf dem Gesicht ein.

Größtes Highlight in der letzten Zeit war jedoch das Great Wall Music Festival, das im Juni in Beijing stattfand. Glücklicherweise bekamen wir noch Karten und konnten daran teilhaben. Selten hab ich eine so skurrile Mischung aus Event und Ort gesehen. Tatsächlich hat man innerhalb der chinesischen Berge inmitten eines Teils der chinesischen Mauer ein Festivalgelände errichtet, auf dem dann Interpreten wie Afrojack, Armin van Buuren oder Paul Kalkbrenner auftraten. Nachdem uns von Beijing einer der Tourbusse (Fahrt 2 Stunden) dort hingebracht hatte, konnte ich kaum in Worte fassen, wie fasziniert ich von dieser Location war. Zum Festival selbst bleibt dann aber auch gar nicht mehr so viel zu sagen – viele Drinks, viel gute Musik und unfassbar viele verrückte Leute. Selbst die Polizisten ließen sich mit der Menge fotografieren und auch der Platzregen störte nicht, da in kürzester jeder einen dieser unfassbar modischen Ganzkörperponchos trug. Ein richtig gelungener Tag/Nacht :)

Darüber hinaus stand ja auch die Eröffnung der Fußball-WM an. Und genau das bringt hier oft mein Herz zum Bluten. Rechnet 6 Stunden auf eure Zeit auf und ihr habt meine Situation. Anstoßzeiten sind im besten Falle um 12 Uhr nachts, im schlechtesten Falle um 3, 4 oder 6 Uhr morgensachts. Das heißt also, morgens die Highlights der Vornacht schauen? FALSCH! Es heißt, gemeinsam nachts aufstehen, zu Public Viewing Plätzen fahren und in hunderte verschlafene Gesichter zu schauen. Ein WM-Erlebnis, das ich so bis dato noch nicht hatte, aber in jedem Fall Leute aus allen Herren Ländern zusammenschweißt.

Es kann jedoch auch teilweise – im Nachhinein – amüsante Geschichten hervorrufen. Beispielsweise als ich um 3 Uhr nachts das Spiel Deutschland gegen Ghana mit chinesischen Freunden in einer Bar voll mit Afrikanern geschaut habe. Ich hätte mir gut überlegen sollen als einziger Deutscher, der chinesischen Runde, die auch Deutschland anfeuerte, eine Runde der 1-L Bierkrüge [Kostenpunkt 50 Cent ;)] auszugeben.

Das Resultat waren englisch-fluchende Chinesen, die laut vernehmlich gegen die Mannschaft aus Ghana pesteten und jeden Angriff der Deutschen lautstark beschrien. Selten wurde meine diplomatische Ader so sehr unter Strapazen gesetzt wie an diesem Abend. Alles endete jedoch friedlich und da mit dem Unentschieden jeder leben konnte, wurde danach dann noch gemeinsam etwas getrunken und jeder ging seiner Wege. Ein sehr unterhaltsamer Abend ;)


Bis bald!  


















Public Viewing Tianjin
                                     


Neues "Original"-Trikot aus China - So frisch sieht man aus um 3 Uhr...
Good Morning Tianjin ;)



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